top of page

Glück kann man lernen – Warum Glück keine Glückssache ist (Teil 1)

Autorenbild: Tine Kerst
Tine Kerst
10. Juni
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Juni

"Wenn du die Art veränderst, wie du die Dinge betrachtest, verändern sich die Dinge, die du betrachtest." – frei nach Paul Watzlawick


Hast du schon einmal Menschen beobachtet, die selbst in schwierigen Zeiten etwas Zuversicht ausstrahlen? Menschen, die Rückschläge erleben, Verluste ertragen, Herausforderungen meistern – und dennoch nicht verbittert werden?


Dann kommt doch sicher die Frage in dir auf:

Warum gelingt es manchen Menschen scheinbar mühelos so gelassen zu wirken, während andere ständig mit Sorgen, Grübeleien und Unzufriedenheit kämpfen?


Die überraschende Antwort lautet:

Glücklichsein ist nicht nur eine Frage der Umstände. Es ist zu einem großen Teil eine Frage des Gehirns. Und das Gehirn kann lernen.


Dein Gehirn ist formbar


Die moderne Neurobiologie hat in den letzten Jahrzehnten etwas Faszinierendes entdeckt:

Unser Gehirn verändert sich ein Leben lang.

Jeder Gedanke, jede Gewohnheit, jede emotionale Reaktion hinterlässt Spuren in den neuronalen Netzwerken.


Der Neurobiologe würde sagen:

Nervenzellen, die häufig gemeinsam aktiv sind, verbinden sich stärker miteinander.


Oder einfacher:

Was du oft denkst, fühlst und tust, wird wahrscheinlicher.


Das ist eine gute Nachricht.

Denn wenn dein Gehirn Sorgen lernen kann, kann es auch Zuversicht lernen.

Wenn es Grübeln lernen kann, kann es auch Dankbarkeit lernen.

Wenn es Angst lernen kann, kann es auch Gelassenheit lernen.


Warum unser Gehirn eher auf Probleme schaut


Vielleicht trifft das auch manchmal auf dich zu:


Du bekommst zehn nette Rückmeldungen und eine kritische.

Woran denkst du abends?


An die kritische.


Das ist kein persönlicher Fehler.

Das ist Neurobiologie.


Über Jahrtausende war unser Gehirn darauf spezialisiert, Gefahren zu erkennen.

Für unsere Vorfahren war das überlebenswichtig.


Wer den Säbelzahntiger übersah, hatte ein Problem.

Wer den schönen Sonnenuntergang übersah, nicht.


Deshalb besitzt unser Gehirn bis heute einen eingebauten Negativitäts-Bias.

Es scannt die Welt ständig nach Problemen.

Nicht weil es dich unglücklich machen möchte.

Sondern weil es dich schützen möchte.


Leider funktioniert dieses uralte Programm heute oft gegen uns.

Wir bemerken alles, was fehlt.

Alles, was schiefgehen könnte.

Alles, was noch nicht perfekt ist.

Und übersehen dabei vieles, was bereits gut ist.


Marcus Aurelius wusste es schon vor 1900 Jahren

Der stoische Kaiser Marcus Aurelius schrieb:


"Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab."


Er hatte keine MRT-Geräte.

Keine Hirnscanner.

Keine Neurobiologen.


Und dennoch erkannte er etwas Wesentliches:

Nicht die Ereignisse selbst bestimmen unser Erleben.

Sondern die Bedeutung, die wir ihnen geben.


Auch Epiktet formulierte es ähnlich:


"Nicht die Dinge beunruhigen die Menschen, sondern die Meinungen über die Dinge."


Die moderne Hirnforschung bestätigt heute genau diesen Zusammenhang.

Zwischen Ereignis und Gefühl liegt eine Bewertung.

Und diese Bewertung können wir beeinflussen.


Vera Birkenbihl hätte gefragt: „Was trainierst du eigentlich täglich?“


Stell dir vor, dein Gehirn wäre ein Muskel.


Was trainierst du jeden Tag?

Sorgen?

Vergleiche?

Selbstkritik?

Katastrophendenken?


Dann wird dein Gehirn darin immer besser.


Trainierst du dagegen bewusst:

  • Dankbarkeit

  • Zuversicht

  • Lösungsdenken

  • Akzeptanz

  • Mitgefühl

dann werden genau diese Netzwerke gestärkt.


Das bedeutet nicht, Probleme zu ignorieren.

Es bedeutet lediglich, dem Gehirn beizubringen, dass die Welt aus mehr besteht als nur aus Problemen.


Die 60-Sekunden-Glücksübung


Probier es sofort aus.

Ja, genau jetzt!


Halte einen Moment inne.

Frage dich:


Was war heute schön?

Nicht spektakulär.

Nicht lebensverändernd.

Nur schön.


Vielleicht:

  • der erste Kaffee am Morgen

  • ein freundliches Lächeln

  • Vogelstimmen

  • eine angenehme Brise

  • ein gutes Gespräch

  • ein Moment der Ruhe


Schließe für 60 Sekunden die Augen.

Erlebe diesen Moment noch einmal.

Lächle, spüre ihn.



Die Forschung zeigt:

Allein dieses bewusste Verweilen mindestens 60 Sekunden lang verstärkt positive neuronale Verknüpfungen. Die kurze Dauer von einer Minute ist lang genug, um eine ausreichende Dosis an Neurotransmittern freizusetzen und die Stimmung positiv zu beeinflussen.


Die Drei-Gute-Dinge-Methode


Diese Übung gehört zu den am besten erforschten Methoden der Positiven Psychologie.


Heute Abend frage dich:

Welche drei Dinge waren heute gut?


Und anschließend:

Warum waren sie gut?


Das Gehirn beginnt dadurch automatisch nach positiven Zusammenhängen zu suchen.


Mit der Zeit verändert sich die Aufmerksamkeit.

Du entdeckst mehr Möglichkeiten.

Mehr Ressourcen.

Mehr kleine Glücksmomente.

Nicht weil sie neu entstehen.

Sondern weil du sie endlich wahrnimmst.


Die stoische Frage


Wenn dich etwas belastet, stelle dir die Frage:


Kann ich das beeinflussen?


Wenn ja:

Handle.

Wenn nein:

Lass los.


Diese einfache Unterscheidung gehörte zum Kern der stoischen Philosophie.

Und sie wirkt bis heute erstaunlich befreiend.


Viele Menschen verbringen enorme Mengen Energie mit Dingen, die sie niemals kontrollieren können:


  • das Verhalten anderer Menschen

  • die Vergangenheit

  • die Meinung anderer

  • zukünftige Ereignisse


Dadurch entsteht Dauerstress.


Der Stoiker richtet seinen Fokus stattdessen auf das, was in seiner Macht steht.

Und genau dort entsteht Handlungsfähigkeit.


Glück ist oft leiser als wir denken


Viele Menschen warten auf das große Glück.

Den perfekten Partner.

Mehr Geld.

Mehr Zeit.

Mehr Anerkennung.

Den perfekten Moment.


Doch die Neurobiologie zeigt etwas anderes:

Nach großen positiven Ereignissen kehren Menschen erstaunlich schnell zu ihrem gewohnten Glücksniveau zurück.

Das Gehirn gewöhnt sich.

Immer.


Deshalb liegt nachhaltiges Glück meist nicht in außergewöhnlichen Ereignissen.

Sondern in der Fähigkeit, gewöhnliche Momente bewusst zu erleben.


Ein tiefer Atemzug.

Ein gutes Gespräch.

Ein Sonnenaufgang.

Ein stiller Augenblick.

Ein Gefühl von Verbundenheit.


Eine kleine Herausforderung für die nächsten sieben Tage


Probiere Folgendes:


Jeden Abend notierst du:

  1. Drei gute Dinge.

  2. Einen Moment der Dankbarkeit.

  3. Eine Sache, die du beeinflussen kannst.

  4. Einen Gedanken, den du loslassen möchtest.


Nicht länger als drei Minuten.

Mehr braucht dein Gehirn nicht.

Aber Wiederholung braucht es.


Denn Glück entsteht selten durch einen großen Moment.

Es entsteht durch viele kleine Momente, die bewusst wahrgenommen werden.


Mein Impuls für dich

Du musst nicht erst ein anderer Mensch werden, um glücklicher zu sein.

Du kannst lernen, deinem Gehirn eine neue Richtung zu zeigen.


Glück ist keine Zufallserscheinung.

Es ist keine angeborene Gabe weniger Menschen.

Es ist eine Fähigkeit.

Eine Gewohnheit.

Ein Training.


Und wie jede Fähigkeit beginnt sie mit einem ersten kleinen Schritt.

Möglicherweise genau heute.


Zu diesem Thema werden in Kürze weitere Artikel folgen, bleib`neugierig und schau wieder vorbei, vielleicht ist dein Aha-Moment dabei.


Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page