HINTER DEM VERHALTEN · FOLGE 2

Unruhig ist nicht gleich unkonzentriert

Warum ein zappelndes Kind nicht automatisch weniger aufmerksam ist
„Kannst du bitte endlich stillsitzen?“
Der Satz fällt oft, wenn Erwachsene ein Kind eigentlich zu etwas anderem auffordern wollen:
Pass auf. Hör zu. Arbeite mit. Bleib bei der Sache.
Nur haben wir daraus im Laufe der Zeit eine erstaunliche Gleichung gemacht:
Still sitzen = aufmerksam. Zappeln = unkonzentriert.
Sie klingt logisch.
Sie ist es nicht immer.
Denn stell dir einmal vor, dein Kind sitzt beim Frühstück auf seinem Stuhl und wippt mit den Beinen. Es dreht sich hin und her, steht kurz auf, setzt sich wieder.
„Du kannst ja nicht einmal fünf Minuten ruhig sitzen.“
Eine Stunde später sitzt es auf dem Boden und baut aus Lego einen ziemlich komplizierten Roboter.
Die Beine bewegen sich.
Der Oberkörper kippt nach vorne.
Es greift nach einem Teil, sucht ein anderes, probiert etwas aus.
Du sagst etwas.
Keine Reaktion.
„Hast du mir überhaupt zugehört?“
„Was?“
Du bist dir sicher:
Dieses Kind kann sich einfach nicht konzentrieren.
Aber dann stellst du fest:
Es hat genau verstanden, was du gesagt hast.
Nur war seine Aufmerksamkeit gerade woanders.
Und damit sind wir bei einer interessanten Frage:
Ist Bewegung wirklich das Problem – oder haben wir gelernt, Ruhe mit Aufmerksamkeit zu verwechseln?
Der Körper macht nicht immer das, was wir von ihm erwarten
Wenn ein Kind auf seinem Stuhl herumrutscht, sehen wir Bewegung.
Was wir nicht sehen, ist das, was gleichzeitig im Inneren passiert.
Vielleicht versucht das Kind gerade, eine anstrengende Aufgabe zu bewältigen.
Vielleicht braucht es eine kurze Aktivierung.
Vielleicht ist ihm langweilig.
Vielleicht ist die Aufgabe zu schwierig.
Vielleicht ist die Sitzposition unangenehm.
Vielleicht ist es müde.
Vielleicht ist es aufgeregt.
Vielleicht ist Bewegung schlicht seine normale Art, sich zu bewegen.
Und manchmal ist es tatsächlich so, dass die Bewegung die Aufmerksamkeit beeinträchtigt.
Wir können das aus dem Zappeln allein nicht wissen.
Das ist der entscheidende Punkt.
Ein Verhalten zeigt uns, was ein Kind tut.
Es verrät uns nicht automatisch, warum es das tut.
Ein überraschender Blick auf Bewegung
Unser Gehirn arbeitet nicht unabhängig vom Körper.
Bewegung verändert unter anderem Aktivierungsniveau, Wahrnehmung und die Anforderungen an die Verarbeitung von Informationen.
Und Bewegung kann selbst eine kognitive Aufgabe sein.
Wenn ein Kind einen Ball fängt, muss es beispielsweise nicht nur seinen Körper bewegen. Es muss den Ball verfolgen, seine Flugbahn einschätzen, die Bewegung vorbereiten und im richtigen Moment reagieren.
Wenn es tanzt, muss es Bewegungsabfolgen behalten.
Wenn es balanciert, muss es ständig Informationen aus seinem Körper und seiner Umgebung miteinander verarbeiten.
Wenn es beim Überkreuzen von Armen und Beinen eine bestimmte Bewegungsfolge einhält, muss es eine Regel im Kopf behalten und gleichzeitig seine Bewegung koordinieren.
Bewegung und Denken sind also keine zwei völlig getrennten Welten.
Die Forschung der vergangenen Jahre liefert dazu interessante Hinweise. Eine Meta-Analyse von 2024 fand einen positiven Zusammenhang zwischen motorischer Kompetenz und exekutiven Funktionen bei Kindern und Jugendlichen.
Auch Interventionen, bei denen körperliche Aktivität mit kognitiven Anforderungen verbunden wird, zeigen in mehreren Meta-Analysen Verbesserungen bestimmter exekutiver Funktionen wie Inhibition und Arbeitsgedächtnis. Gleichzeitig unterscheiden sich die Studien deutlich voneinander – deshalb wäre die Aussage „Bewegung verbessert automatisch die Konzentration“ zu einfach.
Das ist wissenschaftlich eine viel spannendere Geschichte.
Denn es geht nicht um:
Bewegung gut. Sitzen schlecht.
Es geht um:
Welche Bewegung? In welcher Situation? Für welches Kind? Mit welcher Aufgabe?
Und jetzt kommt der wichtige Unterschied
Stell dir zwei Kinder vor.
Beide wippen während einer Unterrichtsstunde mit den Füßen.
Das Verhalten sieht gleich aus.
Die Situation muss deshalb noch lange nicht gleich sein.
Kind A
Es wippt mit dem Fuß, hört dem Lehrer zu, beantwortet Fragen und bearbeitet anschließend die Aufgabe.
Die Bewegung scheint die Aufmerksamkeit nicht wesentlich zu beeinträchtigen.
Kind B
Es wippt ebenfalls mit dem Fuß, schaut dabei aber ständig aus dem Fenster, verpasst Anweisungen und findet anschließend nicht in die Aufgabe.
Hier sieht die Situation anders aus.
Dasselbe sichtbare Verhalten kann unterschiedliche Bedeutungen haben.
Und deshalb sollten wir uns von der Idee verabschieden, jedes sichtbare Zappeln sofort korrigieren zu müssen.
Die bessere Frage lautet:
„Was passiert mit der Aufmerksamkeit, wenn die Bewegung da sein darf?“
Das ist eine echte Beobachtungsfrage.
Und keine Bewertung.
Der kleine Test, den du heute ausprobieren kannst
Wenn dein Kind bei einer Aufgabe ständig aufsteht, musst du nicht sofort sagen:
„Setz dich hin!“
Probiere einmal etwas anderes.
Lass es zwei oder drei Minuten eine kleine körperliche Pause machen.
Einmal durchs Zimmer gehen.
Etwas holen.
Ein paar Kniebeugen.
Auf einem Bein stehen.
Eine kurze koordinative Bewegung.
Oder einfach einmal aus dem Fenster schauen und tief durchatmen.
Dann geht es zurück zur Aufgabe.
Und jetzt beobachtest du:
Findet dein Kind leichter zurück?
Ist es danach aufmerksamer?
Oder wird es noch unruhiger?
Es gibt keine Übung, die bei jedem Kind und jeder Situation gleich funktioniert.
Aber du hast etwas Entscheidendes getan:
Du hast aufgehört, nur das Verhalten zu bekämpfen.
Du hast angefangen, seine Bedingungen zu verändern.
„Aber es muss doch lernen, stillzusitzen!“
Ja.
Natürlich muss ein Kind lernen, seinen Körper auch dann zu steuern, wenn eine Situation bestimmte Regeln verlangt.
Ein Klassenzimmer ist kein Spielplatz.
Eine Prüfung funktioniert nicht gut, wenn das Kind ständig durch den Raum läuft.
Beim Zuhören kann es notwendig sein, den Blick und die Aufmerksamkeit bewusst bei einer Person zu halten.
Selbstregulation bedeutet nicht: Ich darf immer tun, was sich gerade gut anfühlt.
Selbstregulation bedeutet auch:
Ich kann mein Verhalten an eine Situation anpassen.
Und genau diese Fähigkeit entwickelt sich.
Sie ist bei einem Vierjährigen nicht genauso ausgereift wie bei einem Zehnjährigen. Und ein Jugendlicher verfügt wiederum über andere Möglichkeiten der Selbststeuerung als ein Grundschulkind.
Deshalb ist die Frage:
„Kann das Kind das schon?“
oft weniger hilfreich als:
„Wie viel Unterstützung braucht es noch, um es zu können?“
Was können wir von einem Kind erwarten?
Ein vierjähriges Kind bewegt sich anders als ein achtjähriges.
Das klingt banal.
In der Praxis wird von Kindern jedoch häufig eine Selbstkontrolle erwartet, die ihre Entwicklung noch gar nicht zuverlässig hergibt.
Kleine Kinder benötigen bei der Regulation ihres Verhaltens noch wesentlich mehr Unterstützung durch Erwachsene.
Mit zunehmendem Alter übernehmen sie immer mehr davon selbst.
Das geschieht nicht plötzlich und auch nicht geradlinig.
Ein Kind kann etwas heute gut schaffen und morgen wieder daran scheitern. Die Ursachen dafür können vielfältig sein. Zum Beispiel:
Nach einer aufregenden Nacht.
Nach einem langen Schultag.
Wenn es hungrig ist.
Wenn es krank war.
Wenn ein Streit in der Familie nachwirkt.
Wenn die Aufgabe besonders schwierig ist.
Entwicklung ist keine Treppe, auf der das Kind jeden Tag eine Stufe nach oben kommt.
Sie ist eher ein Weg mit Vorwärtsbewegung, Umwegen und gelegentlichen Rückschritten.
Das sollten wir berücksichtigen, bevor wir aus einem Verhalten eine Eigenschaft machen.
„Das Kind zappelt, also kann es sich nicht konzentrieren.“
Hier lohnt sich ein kleines Gedankenexperiment.
Du sitzt in einem langen Vortrag.
Nach 45 Minuten wechselst du deine Sitzposition.
Du bewegst deinen Fuß.
Du streckst dich.
Du trinkst einen Schluck Wasser.
Du schaust kurz zur Seite.
Bist du deshalb unkonzentriert?
Natürlich nicht automatisch.
Du kannst dich bewegen und trotzdem zuhören.
Du kannst sogar feststellen, dass eine kleine Bewegung dir hilft, wach zu bleiben.
Bei Kindern gelten dieselben grundlegenden Prinzipien – allerdings mit einer entscheidenden Ergänzung:
Kinder müssen diese Selbststeuerung erst entwickeln.
Und manche Kinder brauchen dafür mehr Unterstützung als andere.
Bewegung kann helfen – aber sie ist kein Zaubertrick

Hier möchte ich mit einem beliebten Missverständnis aufräumen.
Wenn wir sagen:
„Bewegung kann Aufmerksamkeit und exekutive Funktionen unterstützen“
bedeutet das nicht:
„Jede Bewegung macht jedes Kind konzentrierter.“
Die Forschung ist differenzierter.
Meta-Analysen zeigen insgesamt positive Effekte körperlicher Aktivität auf verschiedene exekutive Funktionen bei Kindern und Jugendlichen. Besonders interessant sind Bewegungsformen, die zusätzlich kognitive Anforderungen enthalten. Gleichzeitig sind die Ergebnisse zwischen Studien unterschiedlich und die praktische Bedeutung einzelner Effekte muss jeweils betrachtet werden.
Eine aktuelle Meta-Analyse von 2025 kommt beispielsweise zu dem Ergebnis, dass kognitiv anspruchsvolle körperliche Aktivitäten einen stärkeren Effekt auf exekutive Funktionen haben könnten als reine körperliche Aktivität. Die Autoren weisen allerdings selbst auf mögliche Verzerrungen und die Notwendigkeit größerer Studien hin.
Das ist genau die Art von Wissenschaft, die wir bei Aha brauchen:
Interessant, ermutigend – aber nicht übertrieben.
Und was ist mit Überkreuzbewegungen?
Damit kommen wir zu einem Bereich, den viele Eltern und Pädagogen kennen.
Rechte Hand zum linken Knie.
Linke Hand zum rechten Knie.
Langsam.
Dann etwas schneller.
Oder eine liegende Acht mit dem Finger nachzeichnen.
Solche Übungen können Kindern Spaß machen und verlangen Aufmerksamkeit, Koordination und das Einhalten einer Bewegungsregel.
Das allein ist bereits interessant.
Wir müssen dafür keine großen Versprechen machen.
Wir müssen nicht behaupten, eine bestimmte Bewegung „verbinde die Gehirnhälften“ oder beseitige Konzentrationsprobleme.
Die wissenschaftliche Grundlage für solche spezifischen kinesiologischen Wirkbehauptungen ist deutlich schwächer als die allgemeine Evidenz zu Bewegung, motorischer Kompetenz und exekutiven Funktionen.
Das macht die Übung nicht wertlos.
Es verändert nur die Art, wie wir sie einsetzen.
Nicht als:
„Diese Übung repariert das Konzentrationsproblem.“
Sondern als:
„Lass uns ausprobieren, was diese kleine körperliche Herausforderung mit deiner Aufmerksamkeit macht.“
Das ist ein Unterschied, den Aha bewusst macht.
Ein Aha-Experiment für Kinder
Du kannst das gemeinsam mit deinem Kind ausprobieren.
Runde 1
Zähle langsam von 1 bis 20.
Ganz einfach.
Runde 2
Berühre abwechselnd rechtes Knie und linke Hand, linkes Knie und rechte Hand.
Und zähle weiter.
Runde 3
Jetzt zählst du rückwärts.
Bewegung und Denken müssen gleichzeitig zusammenarbeiten.
Danach frag dein Kind:
„Was war schwieriger?“
Nicht:
„Siehst du, Bewegung macht dich konzentrierter.“
Denn darum geht es nicht.
Es geht darum, Aufmerksamkeit erfahrbar zu machen.
Das Kind entdeckt seinen eigenen Körper.
Und du bekommst gleichzeitig Informationen darüber, wie es auf unterschiedliche Anforderungen reagiert.
Der Körper darf mitreden
Vielleicht braucht dein Kind vor einer anspruchsvollen Aufgabe Bewegung.
Vielleicht hilft ihm eine kurze koordinative Aufgabe.
Vielleicht arbeitet es besser im Stehen.
Vielleicht braucht es einen Moment Ruhe.
Vielleicht lenkt jede zusätzliche Bewegung es noch stärker ab.
Das Spannende ist:
Du musst es nicht vorher wissen.
Du kannst es beobachten.
Genau darin liegt eine der größten Chancen für Eltern.
Du musst nicht für jede Situation die perfekte Methode kennen.
Du kannst gemeinsam mit deinem Kind herausfinden:
„Was hilft dir, bei der Sache zu bleiben?“
Was du aus „Unruhe“ lernen kannst
Wenn dein Kind das nächste Mal aufsteht, mit den Beinen wippt oder auf dem Stuhl herumrutscht, versuche für einen Moment, nicht sofort zu korrigieren.
Schau genauer hin.
👀 1. Was sehe ich?
„Mein Kind steht während der Aufgabe immer wieder auf.“
🧠 2. Was könnte gerade passieren?
Ist die Aufgabe langweilig, schwierig, zu lang, unklar oder emotional belastend?
Braucht das Kind Aktivierung?
Ist es müde?
Ist es schlicht bewegungsfreudig?
🌱 3. Was ist in diesem Alter zu erwarten?
Wie lange kann ich realistisch verlangen, dass mein Kind still sitzt und seine Aufmerksamkeit bewusst steuert?
🤝 4. Was passiert zwischen uns?
Was tue ich, wenn es aufsteht?
Wird daraus jedes Mal ein Streit?
Wird die Aufgabe dadurch noch unangenehmer?
Oder gibt es eine Möglichkeit, den Ablauf anders zu gestalten?
🧭 5. Was können wir ausprobieren?
Eine kurze Bewegungspause.
Eine andere Sitzposition.
Eine kürzere Arbeitsphase.
Eine kleine koordinative Aufgabe.
Ein klarerer Arbeitsauftrag.
Oder schlicht die Erlaubnis, die Beine zu bewegen, solange die Aufgabe trotzdem gelingt.
Und dann wieder beobachten.
Vielleicht ist das eigentliche Problem gar nicht die Bewegung
Manchmal ist das, was uns am Kind stört, nicht das, was ihm Schwierigkeiten bereitet.
Ein Kind steht auf.
Wir sehen:
Unruhe.
Es selbst erlebt vielleicht:
„Ich kann so besser zuhören.“
Oder:
„Ich halte das gerade nicht mehr aus.“
Oder:
„Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll.“
Oder:
„Ich bin einfach noch nicht müde genug.“
Oder:
„Die Aufgabe ist für mich gerade zu viel.“
Oder tatsächlich:
„Ich bin abgelenkt.“
Wir wissen es erst, wenn wir genauer hinschauen.
Und genau deshalb lohnt sich die kleine Pause vor dem Urteil.
Ein Satz, der bleiben darf
Wenn du aus dieser Folge nur einen Gedanken mitnimmst, dann diesen:
Ein ruhiger Körper ist kein Beweis für Aufmerksamkeit. Und ein bewegter Körper ist kein Beweis für Unaufmerksamkeit.
Die eigentliche Frage lautet:
Was passiert mit dem Kind und seiner Aufmerksamkeit, wenn Bewegung erlaubt ist – und was passiert, wenn sie nicht erlaubt ist?
Das ist eine viel bessere Frage.
Denn jetzt schauen wir nicht mehr nur darauf, wie ein Kind aussieht, wenn es aufmerksam sein soll.
Wir beginnen zu beobachten, wie Aufmerksamkeit bei diesem Kind tatsächlich funktioniert.
Und genau dort beginnt Verstehen.
In der nächsten Folge
Ein Kind schaut dich an.
Du gibst ihm eine Anweisung.
Es nickt.
Du gehst aus dem Zimmer.
Zehn Minuten später ist nichts passiert.
„Ich habe dir doch gesagt, dass du deine Jacke holen sollst!“
„Hab ich vergessen.“
„Du hörst mir nie zu!“
Aber hat das Kind wirklich nicht zugehört?
Oder musste es gerade etwas anderes leisten, als wir dachten?
Folge 3: „Mein Kind hört einfach nicht zu.“
Wir schauen uns an, was passiert, wenn aus einer scheinbar einfachen Aufforderung plötzlich ein kleiner Organisationsauftrag für das Gehirn wird.
Quellen:
Wissenschaftlich betrachtet
Motorik und exekutive Funktionen
Bao et al. (2024) untersuchten in einer systematischen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse den Zusammenhang zwischen motorischer Kompetenz und exekutiven Funktionen bei Kindern und Jugendlichen. Die Ergebnisse sprechen für einen positiven Zusammenhang, erlauben aber keine einfache Aussage im Sinne „mehr Bewegung = bessere Konzentration“.
Kognitiv anspruchsvolle Bewegung
Mao et al. (2024) fassten 23 Studien mit 2.857 Kindern und Jugendlichen zusammen. Kognitiv engagierende körperliche Aktivität zeigte positive Effekte auf exekutive Funktionen, insbesondere Inhibition und Arbeitsgedächtnis. Die hohe Heterogenität der Studien verlangt eine vorsichtige Interpretation.
Körperliche Aktivität und exekutive Funktionen
Eine weitere Meta-Analyse mit 15 Studien und 1.671 Teilnehmenden fand Hinweise darauf, dass kognitiv anspruchsvolle körperliche Aktivität exekutive Funktionen stärker unterstützen kann als reine körperliche Aktivität. Die Autoren weisen zugleich auf mögliche Small-Study-Effekte und Publikationsbias hin.
Kinder mit neuroentwicklungsbezogenen Besonderheiten
Eine Meta-Analyse von 2025 mit 35 in die quantitative Auswertung eingegangenen Studien fand positive Effekte körperlicher Aktivitätsinterventionen auf verschiedene exekutive Funktionen bei Kindern und Jugendlichen mit neuroentwicklungsbezogenen Besonderheiten. Auch hier unterscheiden sich die Interventionen und untersuchten Gruppen deutlich.
Wichtig: Die Forschung zu allgemeiner körperlicher Aktivität ist nicht gleichbedeutend mit einem Wirksamkeitsnachweis für einzelne kinesiologische Übungen oder Methoden. Spezifische Aussagen über „Gehirnhälften“, „Lernblockaden“ oder das gezielte Beheben von Konzentrationsproblemen durch einzelne Bewegungsübungen sollten deshalb nicht als wissenschaftlich gesichert dargestellt werden.



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