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Hilfe, mein Kind hat ADHS! Was bedeutet diese Diagnose für mein Kind – und für mich?

Autorenbild: Tine Kerst
Tine Kerst
10. Juni
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 5. Juli



"Ihr Kind hat ADHS."

Manchmal sind es nur wenige Worte, und doch können sie eine ganze Welt ins Wanken bringen.


Viele Eltern beschreiben den Moment der Diagnose wie einen inneren Stillstand.

Da sind plötzlich tausend Gedanken:


  • Warum mein Kind?

  • Habe ich etwas falsch gemacht?

  • Wird mein Kind später glücklich werden?

  • Was bedeutet das für die Schule?

  • Braucht es Medikamente?

  • Wird es jemals "normal" sein?


Wenn du gerade an diesem Punkt stehst, dann bist du damit nicht allein.

Und vielleicht ist das Wichtigste, was du jetzt wissen solltest:


Die Diagnose verändert dein Kind nicht.

Sie beschreibt lediglich etwas, das bereits da war.

Dein Kind ist immer noch dasselbe Kind wie gestern.

Dasselbe Kind mit seinem Lachen. Mit seiner Kreativität.

Mit seiner Neugier. Mit seiner Lebendigkeit. Mit seinen Stärken und Besonderheiten.


Die Diagnose gibt dem, was ihr vielleicht schon lange erlebt habt, lediglich einen Namen.


Die erste Reaktion: Angst


Fast alle Eltern erleben zunächst Sorgen und Ängste.

Das ist verständlich.


Oft kursieren über ADHS viele Halbwahrheiten:


"ADHS-Kinder können sich nie konzentrieren."

"Sie werden immer Probleme haben."

"Sie sind schwierig."

Sie sind schlecht erzogen."

"Sie werden später keinen Erfolg haben."


Doch die Realität sieht anders aus.


ADHS ist keine Frage von Intelligenz.

Keine Frage von Liebe.

Keine Frage von Erziehung.

Und schon gar kein Zeichen dafür, dass Eltern versagt hätten.


ADHS beschreibt vor allem eine andere Art, Informationen zu verarbeiten, Aufmerksamkeit zu steuern und Impulse zu regulieren.


Das Gehirn arbeitet nicht schlechter.


Es arbeitet anders.


Warum mein Kind?


Diese Frage stellen sich viele Eltern.

Und oft schwingt dabei unbewusst Schuld mit.

"Hätte ich etwas verhindern können?"


Nach heutigem wissenschaftlichen Kenntnisstand lautet die Antwort:

Nein.


ADHS entsteht nicht, weil Eltern zu streng oder zu nachgiebig waren.

Nicht wegen zu wenig Liebe.

Nicht wegen eines bestimmten Erziehungsstils.


Forschungen zeigen, dass genetische Faktoren eine wichtige Rolle spielen.

Häufig finden sich ähnliche Merkmale auch bei Eltern, Großeltern oder anderen Familienmitgliedern.


Manchmal erkennen Eltern erst durch die Diagnose ihres Kindes bestimmte Muster bei sich selbst wieder.

Plötzlich ergeben viele Dinge einen Sinn.


Was bedeutet ADHS für mein Kind?


Das hängt von vielen Faktoren ab.

Jedes Kind ist anders.

ADHS ist keine Schablone.


Manche Kinder wirken ständig in Bewegung.

Andere träumen viel und wirken eher verträumt oder unaufmerksam.

Viele zeigen eine Mischung aus beidem.


Doch neben den Herausforderungen gibt es oft Eigenschaften, die viel seltener erwähnt werden:

  • große Kreativität

  • ausgeprägte Fantasie

  • Begeisterungsfähigkeit

  • Mut Neues auszuprobieren

  • hohe Sensibilität

  • ungewöhnliche Lösungsansätze

  • starke Gerechtigkeitsempfindung


Viele Erwachsene mit ADHS berichten später, dass ihre besondere Art zu denken auch eine Stärke geworden ist.


Was braucht mein Kind jetzt?


Vielleicht nicht das, was viele Eltern zunächst vermuten.


Die wichtigste Hilfe besteht oft nicht darin, das Kind zu verändern.

Sondern darin, es besser zu verstehen.


Kinder mit ADHS hören oft sehr früh:

"Nun streng dich doch mal an."

"Pass doch endlich auf."

"Warum kannst du nicht still sitzen?"

"Die anderen schaffen das doch auch."


Mit der Zeit kann daraus ein Gefühl entstehen:


"Mit mir stimmt etwas nicht."


Genau hier beginnt die eigentliche Aufgabe.

Nicht nur Symptome zu behandeln.

Sondern das Selbstwertgefühl des Kindes zu schützen.

Denn ein Kind, das an sich glaubt, kann mit Herausforderungen deutlich besser umgehen.


Was nun?


Wenn die Diagnose frisch ist, musst du nicht sofort alle Antworten haben.


Du musst nicht heute entscheiden, wie die nächsten zehn Jahre aussehen.


Der erste Schritt ist oft viel kleiner:

Informieren.

Verstehen.

Beobachten.

Fragen stellen.

Unterstützung suchen.


Und vor allem:

Dein Kind weiterhin als das sehen, was es ist.


Nicht als Diagnose.

Nicht als Problem.

Nicht als Projekt.


Sondern als einzigartigen Menschen.


Eine wichtige Wahrheit zum Schluss


Die Lehrkraft deines Kindes hat dich gerade noch in die Schule gebeten, weil dein Kind auffällig ist, und wenig später, nach etlichen Untersuchungen und Tests bekommst du die Diagnose ADHS.

Das fühlt sich erstmal wie ein schwerer Rucksack an.


Doch viele Eltern berichten rückblickend etwas Erstaunliches:


Die Diagnose war nicht das Ende ihrer Sorgen.


Sie war der Beginn von Verständnis.

Plötzlich wurden Verhaltensweisen erklärbar.

Plötzlich gab es Wege, Unterstützung zu finden.

Plötzlich war da Orientierung.


ADHS ist keine einfache Herausforderung.

Aber sie bedeutet auch nicht, dass die Zukunft deines Kindes vorbestimmt ist.


Kinder mit ADHS können lernen, wachsen, erfolgreich sein, Beziehungen führen, Familien gründen und ein erfülltes Leben leben.


Die Diagnose sagt nicht, wer dein Kind ist.

Sie hilft erstmal dabei, besser zu verstehen, wie dein Kind die Welt erlebt.


Und genau dieses Verständnis kann der Anfang einer neuen, stärkeren Verbindung zwischen dir und deinem Kind sein.


Wenn dich dieses Thema interessiert, komme gern zurück, es werden weitere Folgen zu dem Thema ADHS kommen.

In der nächsten Folge beschäftigen wir uns mit der großen Sorge vieler Eltern:


„ADHS – Habe ich als Mutter oder Vater etwas falsch gemacht?“


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